Terror-Tod oder Hysterie-Tod?

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Terror-Tod oder Hysterie-Tod?

Beitragvon tanrek » 11.08.06 08:44



Londoner Terroralarm löst Debatte über innere Sicherheit aus
Eine Verschärfung der Sicherheitsgesetze, den Einsatz der Bundeswehr im Inneren wollen die einen. Die anderen warnen vor härteren Anti-Terrorgesetzen. In Deutschland hat der Terroralarm von London eine neue Debatte ausgelöst. ...

Weiter: http://www.spiegel.de/politik/deutschla ... 65,00.html




Im Jahr 2003 verloren alleine in Deutschland 6606 Menschen im Straßenverkehr ihr Leben.
Quelle: http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,15 ... 48,00.html

Jährlich sterben in Deutschland etwa 42.000 Menschen durch Alkoholkonsum.
Quelle: http://www.diakonischeswerk-frankfurt.d ... _sucht.php

Wenn ich die "westliche Welt" mit 800 Mio. Einwohnern ansetze und die Zahlen hochrechne, komme ich auf 330.000 Straßenverkehrstote bzw. 2.100.000 Alkoholtote in der westlichen Welt seit 9/11, aber auf weniger als 4.000 Terroropfer. Dagegen hat der "Krieg gegen den Terror" weltweit vielleicht 100.000 unbeteiligte Menschen das Leben gefordert.


Alleine schon die Wahrscheinlichkeit Verkehtsopfer zu werden, ist ungefähr Hundert mal höher als die, Opfer eines Terroranschlags zu werden. Statistisch gesehen ist Terror als Todesursache einfach nicht vorhanden, diese Gefahr taucht aus dem statistischen Rauschen nicht auf. Dennoch werden unsere westlichen Gesellschaften unter dem Vorwand der Terrorgefahr so massiv umgebaut, dass sie ihr Gesicht vollständig verändern: Abschaffung der Privatsphäre und des Datenschutzes, Ausweitung der Befugnisse von Geheimdiensten, Foltergefängnisse, Zensur etc. Von "freiheitlichen Demokratien" zu sprechen, fällt mittlerweile schwer.

Meine Frage nun: Wer nimmt uns die Luft zum Atmen? Wir selbst oder Terroristen?
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Re: Terror-Tod oder Hysterie-Tod?

Beitragvon Maharani » 11.08.06 09:28



tanrek hat geschrieben:Meine Frage nun: Wer nimmt uns die Luft zum Atmen? Wir selbst oder Terroristen?


Würde ich dir gerne beantworten, wenn sehen könnte, wer das ist, der den Strick hinter mir zuzieht. ;)



Ich glaube, dass die allgemeine Angst vor terroristischen Anschlägen von der Politik dazu genutzt wird die Bevölkerung besser zu überwachen. In manchen Fällen mag das von Vorteil sein, z.B. wenn geplante Anschläge tatsächlich verhindert werden. In anderen Fällen führt es nur dazu, dass Geld verschwendet und Bürger verunsichert werden.

Letztendlich kann ich aber nur selbst bestimmen wie viel Luft ich mich noch zu atmen traue ....
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Re: Terror-Tod oder Hysterie-Tod?

Beitragvon jk » 11.08.06 09:31



Du vergisst da was :


Den Unterschied zwischen Mord (vorsätzlichem Töten) und Sterben.


Im Straßenverkehr zu sterben, fällt in den meisten Fällen nicht unter der Kategorie Mord.

Alkholkonsum fällt (zynisch ausgedrückt) allenfalls unter der Kategorie Selbstmord, wobei missbräuchlicher Alkoholkonsum eigentlich eine Krankheit darstellt.


Terroristen dagegen begehen zu 100 % Mord. Sie planen es und wollen den maximalen Effekt.


Die Privatsspähre einzuschränken, halte ich ebenfalls für falsch. Die Regierungen sollen einfach nur die Sicherheitsvorkehrungen fürs Einchecken ins Flugzeug intensivieren; vor allem bei USA bzw. GB Routen.


Ich hab Verständnis, wenn man später keinerlei Handgepäck mehr mit ins Flugzeug nehmen darf.


Für alles darüber hinaus habe ich kein Verständnis.
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Re: Terror-Tod oder Hysterie-Tod?

Beitragvon tanrek » 11.08.06 10:16



jk hat geschrieben:Den Unterschied zwischen Mord (vorsätzlichem Töten) und Sterben.

Ich denke, der Staat sollte sich um das Leben seiner Bürger sorgen und daran arbeiten, die größten vermeidbaren Risiken zu minimieren. Moralische Überlegungen spielen dazu eigentlich keine Rolle.

Folgendes Beispiel: Gemessen an dem gegen Terror betriebenen Sicherheitsaufwand (man denke alleine schon an diese sündhaft teuren, aber dennoch sehr fragwürdigen neuen Pässe), wäre es ein Leichtes, in allen PKWs Sensoren zur Überwachung des Luftalkoholgehaltes zu installieren, damit Polizisten signalisiert wird, dass es vielleicht ratsam wäre, sich den Fahrer mal genauer anzusehen. Diese Maßnahme wäre viel billiger, würde aber viel mehr Menschenleben retten - und vor einer besonders skrupellosen Sorte Mensch schützen.

Wenn man solche Gedankenspiele durchspielt, erkennt man sehr schnell, dass es den westlichen Regierungen keinesfalls primär um mehr Lebenserwartung der Allgemeinbevölkerung geht.
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Re: Terror-Tod oder Hysterie-Tod?

Beitragvon Karna » 11.08.06 14:46



Ich habe mal folgendes gelesen (ist schon ein paar Jahre her):

Jedes Jahr sterben

200.000 Menschen durch Mord, Totschlag, Krieg

400.000 Menschen durch Unfälle

800.000 Menschen durch Selbstmord.

Oder: Wenn jeden Tag einer stirbt ist das keine Nachricht, wenn aber diese 365 an einem Tag sterben würden, wäre das interessanter und würde in den Nachrichten kommen.
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Re: Terror-Tod oder Hysterie-Tod?

Beitragvon tanrek » 11.08.06 19:58



Politische Debatte nach dem Terroralarm
In Deutschland hat eine politische Debatte eingesetzt, wie auf die Ereignisse in Großbritannien reagiert werden soll. Dort hat Scotland Yard eine Gruppe von 24 britischen Staatsbürgern verhaftet, denen vorgeworfen wird, mit flüssigen Sprengstoffen zum Jahrestag des "11. September" eine Reihe von US-Passagiermaschinen zum Absturz bringen zu wollen ...

Weiter: http://www.heise.de/newsticker/meldung/76733/from/rss09
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Re: Terror-Tod oder Hysterie-Tod?

Beitragvon jk » 12.08.06 12:15



tanrek hat geschrieben:Folgendes Beispiel: Gemessen an dem gegen Terror betriebenen Sicherheitsaufwand (man denke alleine schon an diese sündhaft teuren, aber dennoch sehr fragwürdigen neuen Pässe), wäre es ein Leichtes, in allen PKWs Sensoren zur Überwachung des Luftalkoholgehaltes zu installieren, damit Polizisten signalisiert wird, dass es vielleicht ratsam wäre, sich den Fahrer mal genauer anzusehen.


Sehe ich nicht so :doubt:

Diese Sensoren müssten aber ganz dicht am Mund des Fahres sein. Wenn die Klimaanlage läuft bzw. wenn das Fenster offen ist, dann bringen diese Sensoren Null.

Und ob es überhaupt möglich ist, solche Sensoren zu vernünftigen Preisen zu realisieren, glaube ich kaum.

tanrek hat geschrieben:Wenn man solche Gedankenspiele durchspielt, erkennt man sehr schnell, dass es den westlichen Regierungen keinesfalls primär um mehr Lebenserwartung der Allgemeinbevölkerung geht.


Da kann ich dir eine tolle Anekdote aus Indien erzählen :twisted:

Die indische Regierung kämpft gegen den ansteigenden Tabakkonsum.

Was macht sie also ? Sie erhöht die Steuern auf Zigaretten.

ABER, sie erhöht nicht die Steuern auf Bidis ( das indische Tabakprodukt, welches zu 95 % von den ganz armen in Indien konsumiert wird).

Studien haben gezeigt, dass Bidis ( die keinen Filter haben und stärker inhaliert werden müssen) sehr viel schädlicher sind als Zigaretten.

Ein Schelm, wer was Böses denkt :twisted:
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Re: Terror-Tod oder Hysterie-Tod?

Beitragvon tanrek » 12.08.06 12:19



jk hat geschrieben:Diese Sensoren müssten aber ganz dicht am Mund des Fahres sein. Wenn die Klimaanlage läuft bzw. wenn das Fenster offen ist, dann bringen diese Sensoren Null.

Und ob es überhaupt möglich ist, solche Sensoren zu vernünftigen Preisen zu realisieren, glaube ich kaum.

Diese Sensoren sind Bestandteil der Blasautomaten der Polizei und sind recht billig. In der Abluft des Wagens installiert und mit einem kleinen Lämpchen auf dem Dach gekoppelt würde das in der Massenherstellung kaum was kosten - zumindest viel weniger als Airbags oder Sicherheitsgurte. Es könnte zwar ausgetrickst werden, aber eben nicht von Betrunkenen, die noch nicht einmal mehr richtig autofahren können.

Anyway - das war kein Vorschlag, sondern nur ein Beispiel um etwas Gefühl für Verhältnismäßigkeit zu schaffen.
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Re: Terror-Tod oder Hysterie-Tod?

Beitragvon u26 » 12.08.06 13:36



Das Gefühl der Bedrohung ist (ob nun gerechtfertigt oder nicht) real. Es nicht zu beachten, wäre ein gravierender Fehler. Allerdings sollte man mehr mit Aufklärung und Dialog als ausschließlich mit Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen arbeiten!
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Re: Terror-Tod oder Hysterie-Tod?

Beitragvon tanrek » 12.08.06 13:46



Dass die Gefahr real ist, ist keine Frage, sondern lediglich wie relevant die Gefahr ist. Statistisch gesehen ist sie einfach nicht sichtbar, und andererseits kann ich mich nicht an besondere Sicherheitsmaßnahmen im Fischverkauf erinnern, obwohl im Westen durch Fischgräten weit mehr Menschen umkommen als durch Terror - und das seit Millionen von Jahren.

Dass das Gefühl der Bedrohung real ist, ist auch keine Frage, aber es stellt sich die Frage ob es durch den Terror oder die Hysterie in den Medien und der Politik erzeugt wurde.
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