Hartnäckige Feilscher
Wer in Indien mit westlichen Maßstäben Geschäfte abschließen will, erlebt schnell sein blaues Wunder. Um erfolgreich zu sein, müssen Manager verstehen, wie tief analytisches Denken und ständiges Hinterfragen in der indischen Kultur verwurzelt sind - und was dies für die Verhandlungstaktik bedeutet.
Weiter: http://www.harvardbusinessmanager.de/he ... 68233.html
Mal ein ganz guter Artikel zum Thema.
Wesentlich finde ich an ihm, dass er klar zeigt, dass das "orientalische Basar-Feilschen" nichts mit dem indischen Feilschen zu tun hat; die Art und Weise sowie die Motivation sind völlig anders. Ob es sinnvoll war, dazu neue Begrifflichkeiten zu erfinden, sei dahin gestellt, schließlich heißt "Tol-mol" (मोल तोल - moola toola) auf Deutsch schlicht Aufwand-Nutzen-Abwägung.
Indische Selbständige und Unternehmer erkennen oft präziser ihr "wahres Dharma" als es Wessies tun - sie verstehen sich eben nie nur als Fachleute, sondern gleichzeitig auch als Geschäftsleute. Diese Sichtweise fehlt vielen Deutschen, die sich zwar als kompetente Experten selbständig machen, denen aber ebenfalls notwendige unternehmerische Fähigkeiten fehlen - was in den meisten Fällen früher oder später zu geschäftlichem Scheitern führen muss. Gewöhnungsbedürftig ist in Indien, dass oft für uns ungewohnte Kriterien eine Rolle spielen, an vorderster Stelle Aberglaube. Die zitierte Leerfahrt des Taxifahrers kann eben auch daher rühren, dass eine Fahrt in Richtung Osten zu gegebener Zeit vermeintlich Unglück bringt, und dieses Argument lässt sich mit Geld kaum aufwiegen. *
Was die Ausführungen über die extrem stark ausgeprägten Hierarchien angeht, so möchte ich sie etwas abschwächen, denn selbstverständlich gibt es das auch (viel zu oft) bei uns in Deutschland, dass wochenlange fachliche Verhandlungen auf Management-Ebene mit einem Handstreich durch (schrecklich oft inkompetente) Golfplatzentscheidungen auf Vorstandsebene zunichte gemacht werden.
* In der Praxis ergeben sich in einem solchen Fall im Wesentlichen drei Möglichkeiten:
- Man beugt sich der Prophezeiung der Astrologen und verschiebt seine Reisepläne um ein paar Stunden.
- Man sucht sich einen nicht abergläubischen Taxifahrer (kann sehr aufwändig werden).
- Wenn Geld keine Rolle spielt, verhandelt man mit dem Taxifahrer über den Aufpreis für eine Süd-Nord-Zickzackfahrt in östlicher Richtung.
Dieser Thread schließt an diesen an: Hindus und wirtschaftlicher Erfolg


