Jobben in Indien - kulturelle Unterschiede

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Jobben in Indien - kulturelle Unterschiede

Beitragvon tanrek » 02.03.10 09:06



Karriere in ... Indien
Hartnäckige Feilscher

Wer in Indien mit westlichen Maßstäben Geschäfte abschließen will, erlebt schnell sein blaues Wunder. Um erfolgreich zu sein, müssen Manager verstehen, wie tief analytisches Denken und ständiges Hinterfragen in der indischen Kultur verwurzelt sind - und was dies für die Verhandlungstaktik bedeutet.

Weiter: http://www.harvardbusinessmanager.de/he ... 68233.html


Mal ein ganz guter Artikel zum Thema. :-D

Wesentlich finde ich an ihm, dass er klar zeigt, dass das "orientalische Basar-Feilschen" nichts mit dem indischen Feilschen zu tun hat; die Art und Weise sowie die Motivation sind völlig anders. Ob es sinnvoll war, dazu neue Begrifflichkeiten zu erfinden, sei dahin gestellt, schließlich heißt "Tol-mol" (मोल तोल - moola toola) auf Deutsch schlicht Aufwand-Nutzen-Abwägung.

Indische Selbständige und Unternehmer erkennen oft präziser ihr "wahres Dharma" als es Wessies tun - sie verstehen sich eben nie nur als Fachleute, sondern gleichzeitig auch als Geschäftsleute. Diese Sichtweise fehlt vielen Deutschen, die sich zwar als kompetente Experten selbständig machen, denen aber ebenfalls notwendige unternehmerische Fähigkeiten fehlen - was in den meisten Fällen früher oder später zu geschäftlichem Scheitern führen muss. Gewöhnungsbedürftig ist in Indien, dass oft für uns ungewohnte Kriterien eine Rolle spielen, an vorderster Stelle Aberglaube. Die zitierte Leerfahrt des Taxifahrers kann eben auch daher rühren, dass eine Fahrt in Richtung Osten zu gegebener Zeit vermeintlich Unglück bringt, und dieses Argument lässt sich mit Geld kaum aufwiegen. * :mrgreen:

Was die Ausführungen über die extrem stark ausgeprägten Hierarchien angeht, so möchte ich sie etwas abschwächen, denn selbstverständlich gibt es das auch (viel zu oft) bei uns in Deutschland, dass wochenlange fachliche Verhandlungen auf Management-Ebene mit einem Handstreich durch (schrecklich oft inkompetente) Golfplatzentscheidungen auf Vorstandsebene zunichte gemacht werden. :vomit:




* In der Praxis ergeben sich in einem solchen Fall im Wesentlichen drei Möglichkeiten:
  1. Man beugt sich der Prophezeiung der Astrologen und verschiebt seine Reisepläne um ein paar Stunden.
  2. Man sucht sich einen nicht abergläubischen Taxifahrer (kann sehr aufwändig werden).
  3. Wenn Geld keine Rolle spielt, verhandelt man mit dem Taxifahrer über den Aufpreis für eine Süd-Nord-Zickzackfahrt in östlicher Richtung.




Dieser Thread schließt an diesen an: Hindus und wirtschaftlicher Erfolg
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Re: Jobben in Indien - kulturelle Unterschiede

Beitragvon veer » 02.03.10 13:04



interessanter artikel. ich kenne das auch von mir, dass ich immer und überall verhandele. (ein aaro? ein aaro??) :lol:

und muss sagen, immer mehr mit erfolg. zb im media markt nehme ich für ein beliebiges produkt immer einen ausdruck des günstigsten angebots mit,
und zeig das den verkäufern, meistens bekommt man nach etwas small talk schon preisnachlass, oder zumindest accesoires wie zb memory oder usb sticks dazu.

aber die direkte und offene indische art würde mit den leuten hier auch nicht gut ankommen. ich glaub deutsche brauchen immer ne kleine vorwärm phase, bevor man sie um den "gefallen" bittet.

übrigens ist der begriff von kumar "brahmanischer idealismus" interessant..

tavleen singh hat in ihrem buch "lollypop street" (in einem pol. kontext) einen ähnlichen begriff eingeführt, der aber das gegenteil meint: "baniaization india's". (banias - geschäftsleute, dritte kaste) gemeint war damit, dass opportunistisches und wirt. auftreten und denken, in der congress ära 40 jahre lang verpönnt war, und entreupreneurship unter nehru sogar benachteiligt wurde. seit der liberalisierung indiens ist ein umshiften dieser haltung festzustellen.
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