digest of indermezzo
Inhaltverzeichnis mit Links zu den Seiten und Kapiteln: Historische Texte über Indien.


Eine Frauenfahrt um die Welt (Historische Texte über Indien)

Bengalen

Madras und Kalkutta (Fortsetzung)

Spät Abends kam noch eine Eingeborene mit zwei Kindern an Bord. Sie hatte für die zweite Klasse bezahlt, und man wies ihr eine kleine, finstere Kabine unweit des ersten Platzes zu. Ihr jüngeres Kind war unglücklicherweise durch einem starken Husten belästigt, wodurch eine reiche, vornehme Engländerin, die ebenfalls einen Jungen bei sich hatte, im Schlaf gestört wurde. Die Dame mochte bei der übertriebenen Zärtlichkeit, die sie für ihr Söhnchen hegte, noch überdies meinen, dass der Husten ansteckend sein könnte. Ihr erstes Geschäft am folgenden Morgen war daher, den Kommandanten zu bitten, die Mutter samt den Kindern aufs Deck zu weisen, was der hochherzige, menschenfreundliche Mann auch sogleich tat. Weder die Dame noch der Kommandant kümmerten sich darum, ob die arme Mutter auch eine warme Decke für das kranke Kind bei sich habe, um es vor den kalten Nächten und vor dem häufigen und starken Regen zu schützen.

Wäre doch das Kind der Engländerin krank geworden und sie selbst hinaus gestoßen worden in Nacht und Nebel, damit auch sie erprobt hätte, wie solch eine Behandlung sich anfühlt! Sollte man sich nicht beinahe schämen, einer Menschenklasse anzugehören, die an Humanität und Herzensgüte von den sogenannten Wilden und Heiden weit übertroffen wird? Kein Wilder hätte je eine Mutter mit einem kranken Kind verjagt; er würde im Gegenteil noch Sorge für beide getragen haben. Nur die christlich gebildeten Europäer nehmen sich das Recht heraus, mit den farbigen Menschen nach Willkür und Laune zu verfahren.



Am 1. und 2. November sahen wir von Zeit zu Zeit das Festland oder kleine Inselchen, - alles flach und sandig, ohne die geringste Naturschönheit. Zehn bis zwölf Schiffe, darunter die größten Ostindienfahrer, segelten wie wir dem reichen Kalkutta zu.

Am 3. November morgens hatte die See schon ihre schöne Farbe verloren und jene des schmutzig gelblichen Ganges angenommen. Gegen Abend näherten wir uns den Mündungen dieses Riesenstromes. Einige Meilen vor der Einfahrt schmeckte das Wasser schon süß. Ich füllte ein Glas aus des heiligen Ganges Fluten und leerte es auf das Wohl all meiner Lieben im Vaterlande.

Um 5 Uhr abends warfen wir zu Kadscheri (an der Einfahrt des Ganges) Anker. Es war zu spät um bis Kalkutta (60 Seemeilen) zu segeln. Der Strom war hier viele Meilen breit, so dass man nur auf einer Seite den dunklen Saum des Ufers sah.



Lesen Sie weiter:
nächste Seite
vorherige Seite
Kapitelauswahl

Die hier veröffentlichten historischen Texte wurden behutsam überarbeitet, um sie leichter lesbar und webseitengerecht zu gestalten. Die Nutzungs- und Urheberrechte für diese überarbeiteten Texte sind ausdrücklich vorbehalten.




Index | Impressum | Bitte beachten Sie auch die Websites:
Indienforum Indermezzo | Schmucklexikon | Schmuckforum
Sprachkurse und Bildungsurlaub in Italien, Malta und Spanien
Marketing- und Projektmanagement | Akkulexikon | Energie-Forum