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Eine Frauenfahrt um die Welt (Historische Texte über Indien)

Bengalen

Madras und Kalkutta (Fortsetzung)

4. November. Des Morgens segelten wir in den Hugly, so heißt eine der sieben Mündungen des Ganges. Endlose, unübersehbare Ebenen erstreckten sich an beiden Ufern dieses Stromes. Reisfelder wechselten mit Zuckerrohrpflanzungen, Palmen, Bambus und Laubbäume standen dazwischen, die üppigste Vegetation zog sich bis an den Uferrand; nur Dörfer und Menschen fehlten. Erst als wir nur noch fünf und zwanzig Meilen von Kalkutta entfernt waren, tauchten hin und wieder ärmliche Dörfer auf, und man sah halb nackte Menschen sich bewegen. Die Hütten waren aus Lehm, Bambus oder Palmzweigen errichtet und mit Ziegeln, Reisstroh oder Palmblättern gedeckt. Merkwürdig und ganz verschieden von jenen, die ich bei Madras sah, fand ich die größeren Fahrzeuge der Eingebornen. Das Vorderteil des Bootes endete beinahe flach, so dass es kaum einen halben Fuß über das Wasser ragte, während das Hinterteil etwa sieben Fuß hoch war.

Das erste palastähnliche Gebäude, eine Baumwollspinnerei, zeigte sich fünfzehn Meilen vor Kalkutta, und ein freundliches Wohnhaus schloss sich daran. Von da an sah man an beiden Seiten des Hugly viele Paläste, die alle in griechisch-italienischem Stil gebaut und reichlich mit Säulen, Hallen, Terrassen, u.s.w. versehen waren. Wir flogen leider zu schnell vorbei, um mehr als einen Überblick erhaschen zu können.

Große und viele Schiffe zogen an uns vorüber oder segelten an unserer Seite, mehrere Dampfer glitten auf und nieder und führten Schiffe im Schlepptau, das Lebensgewühl, das Fremdartige nahm immer mehr zu, und es war leicht zu erraten, dass wir uns einer asiatischen Weltstadt näherten.

Bei Gardenrich, vier Meilen vor Kalkutta, legten wir uns vor Anker.

Nichts fiel mir so schwer wie eine Unterkunft in einem Hafenort zu finden, da es durch Zeichen und Deuten nicht immer möglich war, den Eingeborenen begreiflich zu machen, wohin sie mich bringen sollten. Hier nahm sich einer der Maschinisten unseres Schiffes meiner insofern an, als er mich ans Land brachte, dort für mich einen Palankin mietete und den Leuten den Ort bezeichnete, wohin sie mich zu bringen hatten.

Eine höchst unangenehme Empfindung bemächtigte sich meiner, als ich das erste Mal Gebrauch von einem Tragpalankin machte. Es kam mir für die Menschen gar zu entwürdigend vor, sie anstatt Tieren zu benützen.

Die Palankine sind fünf Fuß lang, drei Fuß hoch, haben Schiebetüren und Jalousien und sind mit Matratzen und Kissen versehen, so dass man darin wie in einem Bett liegt. Vier Träger genügen für die Stadt, acht für weitere Ausflüge. Sie wechseln ständig mit einander ab, und laufen so schnell, dass sie vier englische Meilen in einer Stunde, ja sogar in drei Viertelstunden zurücklegen.

Da diese Palankine alle von außen schwarz angestrichen sind, kam es mir vor, als sähe ich wie lauter Sterbende in das Hospital oder Tote auf den Friedhof getragen werden.



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