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Eine Frauenfahrt um die Welt (Historische Texte über Indien)

Bengalen

Madras und Kalkutta (Fortsetzung)

Die Parias dürfen keine Tempel besuchen, haben ihre eigenen Wohnplätze usw. Sie sind über alle Begriffe arm, wohnen in den erbärmlichsten Hütten, nähren sich von allem Unrat, ja sogar von gefallenem Vieh, auch gehen sie beinahe nackt oder höchstens mit einigen Lumpen bedeckt. Sie sind es auch, welche die schmutzigsten und härtesten Arbeiten verrichten.

Die vier Kasten zerfallen wieder in eine Menge Abteilungen, von welchen 70 Fleisch genießen dürfen, 18 aber sich dessen gänzlich enthalten müssen. Eigentlich verbietet die Religion den Hindus das Blutvergießen und daher auch den Genuss von Fleisch, doch machen jene 70 Sekten eine Ausnahme davon, auch werden bei einigen Religionsfesten Tiere geopfert. Eine Kuh aber darf keinesfalls geschlachtet werden. Die Hauptnahrung der Hindus besteht aus Reis, Früchten, Fischen und Gemüse. Sie leben äußerst mäßig und halten täglich nur zwei einfache Mahlzeiten, die eine morgens, die andere abends. Ihr gewöhnliches Getränk ist Wasser oder Milch und zeitweise Kokoswein.

Die Hindus sind von mittlerer Größe, schlank und zart gebaut. Ihre Gesichtsbildung fand ich höchst angenehm und gutmütig. Das Gesicht ist oval, die Nase erhaben und fein gezeichnet, die Lippe nicht wulstig, das Auge schön und sanft, das Haar glatt und schwarz. Die Hautfarbe ist verschieden, je nach der Gegend. Sie geht von Dunkelbraun bis in helles Lichtbraun, ja in den höheren Ständen findet man selbst ziemlich weiße Menschen, besonders beim weiblichen Geschlecht.



In Indien gibt es sehr viele Mohammedaner, in deren Händen sich, da sie sehr geschickt und rührig sind, ein großer Teil des Handels und der Gewerbe befindet. Auch verdingen sie sich bei den Europäern gerne als Dienstleute. Die Männer verrichten hier auch jene Arbeiten, von denen wir gewöhnt sind, vom weiblichen Geschlecht getan zu sehen. Sie sticken in weißer Wolle, in farbiger Seide und Gold, sie machen Damenkopfputz, waschen und glätten, bessern die Wäsche aus und lassen sich sogar statt der Wärterinnen bei kleinen Kindern gebrauchen. Auch einige Chinesen leben hier, die meistens betreiben das Schusterhandwerk.



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