digest of indermezzo
Inhaltverzeichnis mit Links zu den Seiten und Kapiteln: Historische Texte über Indien.


Eine Frauenfahrt um die Welt (Historische Texte über Indien)

Bengalen

Madras und Kalkutta (Fortsetzung)

Kalkutta, die Hauptstadt von Bengalen, liegt am Hugly, der hier so breit und tief ist, dass die größten Kriegsschiffe und Ostindienfahrer längs der Stadt vor Anker liegen können. Die Bevölkerung beträgt bei 600.000 Seelen, worunter, ohne das englische Militär, nur wenig mehr als 2000 Europäer und Amerikaner sind. Die Stadt ist in mehrere Teile geteilt: in die Geschäftsstadt, in die sogenannte schwarze Stadt und in das europäische Quartier. Die Geschäftsstadt und die 'schwarze Stadt' sind hässlich, die Straßen eng und krumm und mit schlechten Häusern und erbärmlichen Hütten überfüllt, zwischen welchen Magazine, Geschäftslokale und mitunter auch einzelne Paläste liegen. Schmale, gemauerte Kanäle durchziehen alle Straßen, da die Hindus sehr viel Wasser gebrauchen, um ihre täglichen häuslichen Waschungen vorzunehmen. In der Geschäftsstadt und in der schwarzen Stadt ist alles von Menschen derart überfüllt, dass, wenn eine Equipage durchfährt, die Diener vom Wagen steigen, vor demselben herlaufen und die Menschenmassen anrufen oder auseinander jagen müssen.

Schön ist dagegen das europäische Quartier oder Viertel, welches auch sehr häufig die 'Stadt der Paläste' genannt wird, ein Name, der ihm zum Teil gebührt. Nur heißt hier, wie in Venedig, jedes ein wenig größere Haus Palast. Die meisten dieser Paläste stehen in Gärten, die mit hohen Mauern umgeben sind, selten reihen sie sich aneinander; daher gibt es wenig imposante Plätze und Straßen.

An ausgezeichneter Bauart, an Kunst und Reichtum kann, außer dem Palast des Gouverneurs, wohl keiner mit den großen Palästen von Rom, Florenz und Venedig in die Schranken treten. Die meisten unterscheiden sich bloß durch einen hübschen Porticus, der auf gemauerten Säulen ruht, und durch terrassenförmige Dächer von gewöhnlichen Häusern.

Im Inneren sind die Zimmer sehr groß und hoch, die Treppen aus gräulichem Marmor oder wohl auch aus Holz, das Treppenhaus ist einfach. Von schönen Statuen oder Skulpturen in den Palästen oder außerhalb ist nichts zu sehen.

Der Palast des Gouverneurs erscheint, wie gesagt, von außen als ein herrliches Gebäude, das der größten Weltstadt zur Zierde gereichen würde. Er ist in Form eines Hufeisens gebaut, in dessen Mitte sich eine schöne Kuppel erhebt; der Porticus, wie auch die beiden Seitenflügel ruhen auf vielen Säulen. Die innere Einrichtung ist so ungeschickt wie möglich. So muss man z.B. von dem Tanz- in den Speisesaal eine Treppe höher steigen. In diesen beiden Sälen stehen auf den Seiten zwei Reihen von Säulen. Der Fußboden des letzteren ist mit Agra-Marmor getäfelt. Die Säulen und die Wände sind mit feinem, weißem Putz überkleidet, welcher an Glanz dem Marmor gleicht. Die Wohnzimmer lohnen nicht die Mühe, sie zu besehen; höchstens bieten sie Gelegenheit, den Einteilungssinn des Baumeisters zu bewundern, der in dem großen Raume so wenig wie möglich geschaffen hat.



Lesen Sie weiter:
nächste Seite
vorherige Seite
Kapitelauswahl

Die hier veröffentlichten historischen Texte wurden behutsam überarbeitet, um sie leichter lesbar und webseitengerecht zu gestalten. Die Nutzungs- und Urheberrechte für diese überarbeiteten Texte sind ausdrücklich vorbehalten.




Index | Impressum | Bitte beachten Sie auch die Websites:
Indienforum Indermezzo | Schmucklexikon | Schmuckforum
Sprachkurse und Bildungsurlaub in Italien, Malta und Spanien
Marketing- und Projektmanagement | Akkulexikon | Energie-Forum