Eine Frauenfahrt um die Welt (Historische Texte über Indien)
Bengalen
Madras und Kalkutta (Fortsetzung)
Weitere sehenswerte Bauten sind die Townhall, das Hospital, das Museum, Ochterlonys Monument, das Münzgebäude, die englische Kathedrale usw.
Die Townhall ist groß und schön; die Halle geht durch ein Stockwerk. Es stehen hier einige Monumente aus weißem Marmor, die dem Andenken ausgezeichneter Männer neuerer Zeit gewidmet sind. In dieser Halle finden Zusammenkünfte aller Art statt, hier werden alle großen Geschäfte und Unternehmungen besprochen, Konzerte, Bälle und Festmahle abgehalten.
Das Hospital besteht aus mehreren kleinen, von Wiesenplätzen eingeschlossenen Häusern. Das Ganze ist mit einer Mauer umgeben. Die Kranken sind der Art abgeteilt, dass die Männer in einem, die Weiber und Kinder in einem zweiten, und die Narren in einem dritten Häuschen wohnen. Die Säle fand ich groß, luftig und sehr rein gehalten. In dieses Spital kommen nur Christen.
Das Hospital für die Eingeborenen ist in derselben Art, nur bedeutend kleiner. Die Kranken werden unentgeltlich aufgenommen, und vielen werden auch außerhalb der Anstalt Arzneien gespendet.
Das Museum, erst im Jahre 1836 gegründet, ist für diese kurze Zeit ziemlich reichhaltig, besonders an vierfüßigen Tieren und Skeletten; nur Insekten gibt es wenige, und von diesen sind die meisten beschädigt. In einem der Säle steht ein aus Elfenbein fleißig und schön gearbeitetes Modell des berühmten Taj in Agra; mehrere Skulpturen und Reliefs liegen umher. Die Figuren daran schienen mir sehr plump, die Architektur ist ungleich besser. Das Museum ist täglich offen. Ich ging mehrmals hin und fand zu meinem Erstaunen jederzeit mehrere Eingeborne, die alles recht emsig und genau betrachteten.
Ochterlonys Monument ist eine einfache, gemauerte Säule von 165 Fuß Höhe, die wie ein Ausrufungszeichen mitten auf einem leeren, großen Wiesenplatz steht. Sie ist dem Angedenken des Generals Ochterlony errichtet, der sich als Staatsmann und Krieger gleich rühmlich ausgezeichnet hat. Wer die Mühe des Ersteigens von 222 Stufen nicht scheut, wird durch eine weite Übersicht über Stadt, Fluss und Umgebung erfreut; letztere ist jedoch sehr einförmig, da sie aus einer endlosen Ebene besteht, die nur vom Horizont begrenzt wird.
Unweit der Säule steht eine gar niedliche Moschee, deren zahllose Türmchen und Kuppeln mit metallenen, vergoldeten Kugeln geziert sind, die in der Sonne glänzen und flimmern wie die Sterne am Firmament. Ein netter Vorhof umgibt die Moschee. Wer sie betreten will, muss sich schon am Eingang des Hofes der Schuhe entledigen. Ich unterzog mich diesem Gesetz, fand aber meine Unterwürfigkeit nicht belohnt, denn ich sah nichts als einen kleinen, leeren Saal, dessen Decke auf einigen gemauerten Säulen ruhte. An der Decke und an den Wänden hingen Glaslampen, und der Boden war mit grauem Agra-Marmor getäfelt. Dieser Marmor ist in Kalkutta sehr gewöhnlich, da er von Agra auf dem Ganges dahin gebracht wird.
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